Madoff muss für 150 Jahre in Haft
Dienstag, 30. Juni 2009Der Milliardenbetrüger Bernard Madoff ist von einem US Gericht zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nun wird in den USA mit Spannung die Entscheidung über den Ort seiner Haft erwartet. Von der Wahl der Behörden hängt für den 71 Jahre alten Ex-Broker viel ab.
Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte hatte sich Richter Denny Chin am Montag in New York für die Höchststrafe entschieden. Mit einem 65 Milliarden Dollar (46 Mrd Euro) schweren Schneeball- System hatte Madoff weltweit tausende Anleger geschädigt. Er will allein gehandelt haben, auch ohne Wissen seiner Familie. Bislang wird strafrechtlich lediglich noch ein externer Buchprüfer verfolgt.
Noch offen ist, ob der geständige Mega-Betrüger gegen das Strafmaß Berufung einlegen will. Er könnte laut Experten die Berechnungsbasis überprüfen lassen und die Höhe als «unangemessen» anfechten.
Die Erfolgsaussichten einer Berufung bewerteten Fachleute als eher gering. Die Strafe werde selbst bei einer Neubewertung wohl stets lebenslänglich ausfallen. US-Kommentatoren begrüßten das hohe Strafmaß ganz überwiegend. Richter Chin hatte es als «deutliche Botschaft» bezeichnet, dass solche Verbrechen nicht toleriert würden.
Bei guter Führung könnten Madoff laut US-Medien rein theoretisch bis zu 15 Prozent der Haftzeit erlassen werden. Doch damit blieben noch immer über 127 Jahre.
Madoff selbst beantragte die Einweisung in eine Haftanstalt mittlerer Sicherheitsstufe in Otisville im Bundesstaat New York, gut 100 Kilometer nordwestlich von New York City. Richter Chin hatte sich allgemein für ein Gefängnis im Nordosten der USA ausgesprochen.
Die Entscheidung fällt eine eigens für die Unterbringung von Verurteilten zuständige Behörde, das Bureau of Prisons. Die Wahl sei noch nicht getroffen, sagte eine Sprecherin. Bei Promi-Häftling Madoff könnte sich zudem das Justizministerium in Washington selbst einschalten, mutmaßten Zeitungen.
Nach dem Urteil am Montag war Madoff vom Gericht zurück ins nahe gelegene städtische Gefängnis im Süden des Stadtteils Manhattan gebracht worden. Für seine letzten Schritte in Freiheit hatte er die Häftlingskleidung gegen einen Anzug tauschen dürfen. Vor dem Richterspruch hatte er sich nochmals bei seinen Opfern entschuldigt.
Die Behörden versuchen unter Hochdruck, möglichst viel Geld für die Opfer zu retten. Bislang wurde Vermögen im Wert von rund einer Milliarde Dollar sichergestellt. Das meiste Anlegergeld gilt aber als verloren. In etwa drei Monaten steht ein weiteres Grundsatzurteil zum Schadenersatz an.
Madoff hatte den jahrzehntelangen Mega-Betrug Mitte Dezember vergangenen Jahres seinen beiden mit in seiner Firma beschäftigten Söhnen offenbart. Wegen der Finanzkrise hatten zuvor Anleger hohe Summen abgezogen und das Betrugssystem so zum Einsturz gebracht.

